Mädesüss

Veröffentlicht am 11. August 2026 um 15:06

Mädesüss unterschätztes Schmerzmittel aus der Natur

Mädesüß ist eine ausdauernde, hochwachsende Staude aus der Familie der Rosengewächse, bekannt für ihre cremeweißen, duftenden Blüten und feuchten Standorte.

Steckbrief - „Echtes Mädesüß“

Botanischer Name:                             Filipendula ulmaria (früher: Spiraea ulmaria)

Deutscher Name:                               Echtes Mädesüß

Familie:                                                 Rosengewächse (Rosaceae)

Andere Namen:                                  Wiesenkönigin, Spierstaude, Krampfkraut, Metkraut

Lebensdauer:                                      Ausdauernd (mehrjährig)

Wuchsform:                                         Krautige Pflanze

Wuchshöhe:                                        50 bis 150 cm (selten bis 200 cm)

Wurzelwerk:                                        Kriechendes, oft verholzendes Rhizom

Blütezeit:                                              Juni bis August

Blütenstand:                                        Reichblütige, trugdoldige Rispe (botanisch: Spirre)

Fruchtreife:                                          August bis Oktober

Boden/Standort:                                Feuchte bis nasse, nährstoffreiche und schwach saure Lehm- und Tonböden; Ufer, Gräben,                                                                          Nasswiesen, Auwälder

Hauptinhaltsstoffe:                           Salicylsäurederivate (Phenolglykoside wie Monotropidin und Spiraein), Flavonoide, Gerbstoffe,                                                                   ätherisches Öl

Verwendung in der Naturheilkunde

Die Blüten, Blätter und Wurzeln von Mädesüss werden seit langer Zeit bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt. Kräuterpfarrer Johann Künzle schrieb: «In der Naturheilkunde war der Wiesengeissbart schon lange als harn- und schweisstreibendes Mittel bekannt, die neuere Zeit hat dazu noch seine besonderen Heilkräfte gegen alle rheumatischen Leiden entdeckt, so dass der Wiesengeissbart heute als eine der vornehmsten Heilpflanzen gilt» (Künzle, 1947, S. 497).

Mädesüss ist in der Naturheilkunde ein beliebtes Mittel bei Kopfschmerzen und Migräne. Es enthält Salicylsäureverbindungen, die ähnlich wirken wie die synthetisch hergestellte Acetylsalicylsäure in Aspirin. Der Name Aspirin leitet sich sogar vom früheren lateinischen Namen von Mädesüss, «Spiraea ulmaria», ab. Die Pflanze gilt zudem als schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend und wird deshalb bei Erkältungskrankheiten, Grippe sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden angewendet. Dabei wird Mädesüss meist in Form von Tee oder Tinktur angewendet.

Äusserlich kann Mädesüss bei Hautproblemen wie Ekzemen, Ausschlägen und leichten Entzündungen in Form von Salben oder Umschlägen angewendet werden.

Verwendung in der Küche

Die Mädesüssblüten sind eine beliebte Zutat in der Küche und werden wegen ihres honig-mandelartigen Aromas vielseitig eingesetzt.

Eingelegt in Flüssigkeiten wie Süssmost oder Milch, entfalten die filigranen Blüten ihr Aroma besonders gut. Dazu legt man frisch gepflückte Mädesüssblüten für ungefähr 1 Stunde ins Getränk. Dabei mehrmals umrühren und die Blüten am Ende ausdrücken und entfernen. Auch alkoholische Getränke wie Bier, Met und Wein lassen sich auf diese Weise hervorragend mit Mädesüss verfeinern.

Sehr zu empfehlen ist zudem die Herstellung eines aromatischen Sirups. Er eignet sich bestens zum Süssen verschiedenster Getränke und dient zugleich als geschmackvolle Zutat für Desserts.

Die Namenspatin des Aspirins

Das Echte Mädesüß ist ein Stück Medizingeschichte. Im 19. Jahrhundert wurde die Pflanze botanisch noch zur Gattung der Spiersträucher (Spiraea) gezählt und trug den Namen Spiraea ulmaria. Aus ihren Blütenknospen extrahierten Chemiker Salicylsäure. Da reine Salicylsäure den Magen der Patienten stark angriff, entwickelte der Chemiker Felix Hoffmann 1897 eine verträglichere Form: die Acetylsalicylsäure. Als das Medikament 1899 von der Firma Bayer auf den Markt gebracht wurde, brauchte man einen griffigen Namen. Man wählte „Aspirin“ – das A stand für Acetyl, und spirin leitete sich direkt von der Spiraeasäure des Mädesüß ab.

Met-Süße und duftendes Streukraut

Der deutsche Name „Mädesüß“ leitet sich nicht von süßen Mädchen ab, sondern vermutlich vom Begriff „Metsüße“. Im Mittelalter und der Antike wurden die stark honigartig duftenden Blüten genutzt, um Wein, Bier und vor allem den Honigwein (Met) geschmacklich zu verfeinern und zu aromatisieren. Gleichzeitig schätzte man die Pflanze als „Streukraut“. Vor der Erfindung moderner Fußböden streute man das frische Kraut in den Häusern auf die gestampften Lehmböden. Wenn die Bewohner darüberliefen, gaben die Blätter und Blüten ihren angenehm süßlich-herben Duft frei, der schlechte Gerüche im Haus überdeckte und Insekten fernhielt.

Die Pollenblume im Feuchtgebiet

Ökologisch ist die Wiesenkönigin ein Phänomen. Obwohl die Blüten durch ihren lieblichen Duft hunderte Insekten anlocken, bieten sie den Besuchern keinen einzigen Tropfen Nektar. Das Mädesüß ist eine reine Pollenblume. Käfer, Schwebfliegen und Wildbienen laben sich stattdessen am üppig produzierten, nahrhaften Pollen und sorgen beim Sammeln für die notwendige Bestäubung der dicht stehenden Blüten.

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