Die Wegwarte dein Freund am Wegesrand
ist, wie der Name bereits vermuten lässt, insbesondere an Weges- und Feldrändern, aber auch an Böschungen zu finden. Sie bevorzugt etwas schwerere, trockene und lehmige Böden . Die Unterart der Gemeinen Wegwarte, die 2005 zur „Pflanze Europas“ gewählt worden ist, trägt neben dem Namen Waldwegwarte auch den Namen Blauwarte
Die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus L.)
- Familie: Korbblütler (Asteraceae)
- Standort: Wegränder, Felder, Wiesen, Ödland
- Wuchshöhe: 30 bis 140 cm, bis zu 200 cm in Kulturformen
- Blütezeit: Hochsommer, Morgenstunden
- Blütenfarbe: Leuchtend hellblau
- Wurzel: Tiefreichende Pfahlwurzel
- Blätter: Dunkelgrüne, rauhaarig, schrotsägeförmig fiederschnittig
- Verwendungen: Heilpflanze, Kaffee-Ersatz, Salat
- Nutzung: Verdauungsbeschwerden, Harnwegserkrankungen, Augenentzündungen, Gallensteinen, Hautunreinheiten
Die Wegwarte ist eine vielseitige Heilpflanze, die vor allem bei Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit, Hautproblemen und rheumatischen Beschwerden eingesetzt wird.
Botanische Merkmale
Die Wegwarte, auch Zichorie genannt, gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ist in Europa, Asien und Nordafrika verbreitet
Sie ist eine mehrjährige, krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 50 bis 150 cm
Die Blüten sind meist hellblau oder lavendelfarben, öffnen sich morgens und verblühen am Mittag
Die Pflanze enthält einen weißen Milchsaft und besitzt eine lange, rübenförmige Pfahlwurzel, die reich an Bitterstoffen ist
Die Blätter sind grundständig und stängelständig, wobei die Grundblätter gezähnt und leicht behaart sind
Inhaltsstoffe und Wirkungen
Die Wegwarte enthält Bitterstoffe, Inulin, ätherische Öle, Gerbstoffe und andere sekundäre Pflanzenstoffe, die für ihre gesundheitsfördernden Eigenschaften verantwortlich sind
Sie wirkt traditionell:
Verdauungsfördernd: Lindert Völlegefühl, Blähungen, langsame Verdauung und Appetitlosigkeit
Leber- und Gallenunterstützend: Fördert die Leberfunktion und den Gallenfluss
Entzündungshemmend und schmerzlindernd: Bei rheumatischen Beschwerden, Hautproblemen und leichten Schmerzen
Allgemein stärkend: Unterstützt das Immunsystem und kann bei Schwächezuständen hilfreich sein
Traditionelle Verwendung
Gemäß den Angaben von Dioskurides und Plinius sei die Wegwarte bereits im Altertum bekannt und in Ägypten (500 v. Chr.) als magenstärkendes Gemüse kultiviert worden . Aufgrund der bitteren Inhaltsstoffe stellt die Wegwarte ein Tonikum amarum, also ein bitteres Anregungs- und Kräftigungsmittel dar, welches im europäischen Raum als Tee-Aufguss (Wurzel) oder Press-Saft (oberirdische Frischpflanze) unter anderem bei Appetitlosigkeit, Vollgefühl, Blähungen sowie Gallenblasen- und Leberleiden eingesetzt wurde .
Die Verwendung als leberschützendes Mittel findet sich auch in der indischen Medizin bzw. dem Ayurveda wieder, wo die Gemeine Wegwarte den Namen Kasani trägt. Zudem wird die Anwendung als Diuretikum (nach Sebastian Kneipp) , bei Kopfschmerzen und seltener bei Hysterie sowie Hypochondrie beschrieben.
Weitere in der Literatur genannte Anwendungen sind Wundbehandlung, Schmerzbehandlung (Lendenwirbelsäure), Rheuma und Hautkrankheiten (Ekzeme) . Auch wurde der Latex in der Volksmedizin zur Behandlung von Tumoren eingesetzt . Eine interessante traditionelle Indikation der Verwendung der Pflanze in Afghanistan, genauer gesagt eines wässrigen, lichtempfindlichen Wurzelextraktes, stellt Malaria dar. Ihre Wirkung bei Malaria konnte durch die Identifikation der entsprechenden Inhaltsstoffe bereits bestätigt werden
Der Zauber um die weiße Wegwarte
Weisse und rosa Blüten sind seltener bei einer Wegwarte und dazu noch magisch
Wer am Jakobstag, den 25. Juli, eine weiße Wegwarte schweigend mit einem Goldstück ausgräbt, kann sich, wenn er sie bei sich trägt, stich- und schussfest, sowie auch unsichtbar machen.
Die weiße Blüte war besonders magisch. Sie wurde gepflückt und unters Kopfkissen gelegt. So sahen junge Mädchen ihren zukünftigen Ehemann im Traum. In einem Kampf, sei es auch nur im Streit, soll die Pflanze unbesiegbar und auch unverwundbar machen. Im Glauben unserer Vorfahren wirkte sie schützend auf Geist und Seele.
Die Wurzel einer weißblühenden Wegwarte hat die Kraft, Dornen, abgebrochene Nadeln oder was sonst in der Haut stecken mag, herauszutreiben. Sie ist aber sehr selten; denn die gewöhnliche blüht blau. Findet man nun aber eine weißblühende, so muss man sie gleich anbinden, sonst ist sie am nächsten Morgen verschwunden.
Im schwäbischen Glauben glaubte man, wo eine weiße Wegwarte steht, sei ein Schatz vergraben. Die weißblühende Wegwarte ist auch die Wunderblume, die nur ein Sonntagskind pflücken kann.
Die weisse Wegwarte hat eine grosse spirituelle Bedeutung
Wegwarte in der Küche: Von der Antike zur Moderne
Die kulinarische Nutzung der Wegwarte reicht bis in die Antike zurück. In mediterranen Ländern werden die Blätter der Wegwarte bis heute traditionell als Gemüse geschätzt. Die hohe Wegwarte, eine Kulturform der wilden Wegwarte, ist die Grundlage für Chicorée und Endivien – zwei Gemüse, die in der gehobenen Gastronomie längst etabliert sind.
Pflanzenteile Geschmacksprofil: Junge Blätter Mild-bitter, leicht nussig Salate, Smoothies, als Gemüse
Blaue Blüten Zart-süßlich, leicht bitter Dekoration, Tees, Essig, Likör
Ältere Blätter Intensiv-bitter, herzhaft Gedünstet, Suppen, Tees
Wurzeln Süßlich-bitter, erdig Kaffeeersatz, geröstet, gekocht
Sammeln und Vorbereiten: Qualität durch richtige Technik
Beim Sammeln von Wegwarte ist der richtige Zeitpunkt entscheidend. Junge Wegwartenblätter sind am mildesten und eignen sich hervorragend für Salate. Für die Verarbeitung größerer Mengen ist eine elektrische Kräutermühle oder ein scharfes Kräutermesser empfehlenswert, da die Blätter faserig sein können.
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