Weißdorn - eine wirksame Heilpflanze
Weißdorn gilt seit Jahrhunderten als traditionelle Heilpflanze für Herz und Kreislauf und wurde 2019 zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.
Steckbrief
Familie: Rosaceae
Gattung: Crataegus
Arten: 200 bis 300 Arten weltweit, 22 in Europa, 3 in Deutschland
Wuchsform: Strauch oder kleiner Baum
Blätter: Stark gelappt oder tief eingeschnitten, grün-grün
Blüten: Weiße Blüten im Frühling, rosa oder rot im Sommer
Früchte: Rote Beeren, säuerlich-süß, mehlig
Pflege: Vollsonne oder Halbschatten, frostfrei, keine Düngung
Nutzung: Tee, Kompott, Mus, als Wildvogelfutter
Weißdorn gilt schon seit langer Zeit als Schutzpflanze
Weißdorn (Crataegus) ist ein Gewächs, dem schon seit hunderten von Jahren eine Schutzwirkung auf das Herz nachgesagt wird. Bereits Paracelsus, einer der berühmtesten europäischen Ärzte des 16. Jahrhunderts, verwendete den Saft der Beeren als Herztherapeutikum.
Nach wie vor gelten aber insbesondere Blätter und Blüten als natürliche Mittel für das Herz. Die Heilpflanze wurde daher aufgrund ihrer umfangreichen positiven Wirkungen 2019 zur Arzneipflanze des Jahres gewählt .
Auch das Holz wurde früher verarbeitet - und zwar zu Spazierstöcken, die als Schutzstäbe dienten. Sie sollten im Volksglauben das Böse abhalten.
Die Wirkungen
Die Beeren, Blüten und Blätter des Weißdorns sind reich an Nährstoffen und Vitalstoffen, die sich äußerst positiv auf die Gesundheit auswirken. Man nimmt an, dass vor allem die darin enthaltenen Flavonoide, also die natürlichen Stoffe, die den Pflanzen ihre Farbe verleihen, und die zu den Flavonoiden zählenden oligomeren Procyanidine dafür verantwortlich sind .
Folgende Wirkungen des Weißdorns konnten bisher an Tieren und Menschen sowie in Zellstudien nachgewiesen werden
Er schützt das Herz und reguliert den Blutdruck, er hemmt Krebs, er wirkt gegen HIV und Diabetes, er wirkt gerinnungshemmend, schützt die Leber und wirkt gegen zu hohen Blutzucker (Hyperglykämie).
Er reduziert erhöhte Blutfettwerte, er wirkt sich positiv auf die Wundheilung aus, er hemmt das Wachstum von Bakterien, Pilzen und Viren
Er schützt den Magen und fördert die Verdauung, er wirkt entzündungshemmend und antioxidativ, er hat Anti-Aging-Effekte, er schützt die Nervenzellen und bessert kognitive Störungen und Alzheimer und wirkt gegen Depressionen und Ängste
Ein Wundermittel für das Herz?
Die meisten Studien, die mit dem Weißdorn am Menschen durchgeführt wurden, beschäftigen sich mit seiner Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Denn die Pflanze kann etwa bei Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz erstaunliche Verbesserungen erzielen.
Bei Bluthochdruck
Der Weißdorn senkt den Blutdruck, indem er die Freisetzung von Stickstoffmonoxid aus dem Gefäßendothel verstärkt. Das Endothel ist die Innenwand in den Blutgefäßen, wo in den entsprechenden Zellen Stickstoffmonoxid gebildet wird. Stickstoffmonoxid führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße - und der Blutdruck sinkt .
Weißdorn Mythologie
Der Weißdorn hat eine reiche Geschichte und Mythologie, die sich über verschiedene Epochen erstreckt. Er war in der römischen Antike dem Ianus heilig und schützte Kinder vor nächtlichen Strigen. In der Ballade "Lenore" von Gottfried August Bürger wird der Weißdorn als Ort für Elfen erwähnt, weshalb man in Deutschland zu früheren Zeiten Stofffetzen und Haar in die Äste des Weißdorns flocht, um gute Taten zu fördern. Kinderwiegen aus Weißdorn sollen verhindern, dass Kinder von bösen Feen ausgetauscht werden.
Der Weißdorn ist nicht nur eine Pflanze mit einer reichen Geschichte, sondern auch eine wichtige Symbolik für den Menschen. Er steht für Leben und Tod und wird oft als "Herzstrauch" bezeichnet, der sowohl historisch als auch pharmakologisch, sowie im mystisch übertragenen Sinne gesehen wird.
Glastonbury Thorn
Als Glastonbury Thorn wird eine Variante des Weißdorns bezeichnet, die in der Gegend von Glastonbury in Somerset in England vorkommt. Als botanischen Namen findet man Crataegus monogyna ‚Biflora‘, gelegentlich auch Crataegus oxyacantha var. praecox. Die Pflanzen gehören allerdings zur Art Crataegus monogyna, sodass der letztere Name irreführend ist. Im Gegensatz zum normalen Weißdorn blühen diese Bäume zweimal im Jahr (daher auch der Namenszusatz biflora), im Winter und im Frühjahr. Soweit bekannt, gibt es nur durch Veredelung vermehrte Exemplare. Zweimal blühende Crataegus monogyna, die dem Holy Thorn morphologisch sehr ähnlich sind, sind als Wildvorkommen aus Nordafrika bekannt.
Geschichte-Überlieferung
Die Pflanzen werden regelmäßig mit den Legenden um Josef von Arimathäa und der Ausbreitung des Christentums in Britannien in Verbindung gebracht. Danach habe Josef den Ort Glastonbury besucht, dabei auch den Heiligen Gral mit sich geführt, am Ort eine erste Kapelle errichtet und auf dem Wearyall Hill seinen Stab in den Boden gestoßen, aus dem dann über Nacht der erste der Bäume gewachsen sei. Die ersten erhaltenen literarischen Bezüge zu dieser Legende lassen sich ab dem 12. Jahrhundert in Handschriften nachweisen. Sie nehmen das Motiv des austreibenden und blühenden Stabes auf, das sich auch im Alten Testament über Aaron, im Protoevangelium des Jakobus über Josef von Nazareth, und in manchen Heiligenlegenden findet.
Das Märchen vom Weißdorn – Die Hüterin des Herzens
Es war einmal, tief in der Heide, ein Busch, der anders war als die anderen. Während die Birken ihre weißen Stämme in den Himmel reckten und die Heidepflanzen in lila Blüte standen, wuchs er krumm und dicht, mit starken Zweigen und spitzen Dornen. Er war der Weißdorn.
Die Tiere mieden ihn. Die Kinder, die durch die Heide spielten, machten einen Bogen um ihn, denn sie fürchteten seine Stacheln. „Ein Strauch voller Dornen, was soll er uns schon geben?“, sagten sie. Selbst die Kräutersammlerinnen, die sonst jedes Kraut zu nutzen wussten, beachteten ihn kaum.
Doch der Weißdorn hütete ein Geheimnis. Tief in seinem Holz schlug ein unsichtbares Herz. Es war das Herz des Waldes selbst – voller Wärme, Liebe und Lebenskraft. Seine roten Früchte waren kleine Funken dieses Herzens, und jeder, der sie kostete, konnte spüren, wie Mut und Hoffnung zurückkehrten. Doch kaum jemand wagte sich nah genug heran.
Eines Abends, als die Sonne rot über der Heide versank, kam ein junges Mädchen den sandigen Weg entlang. Ihr Herz war schwer – zu viele Sorgen lasteten auf ihr. Es schlug unruhig, als ob es die Last nicht mehr tragen könne. Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie setzte sich am Rand des Weges nieder, direkt unter den Weißdorn, ohne darauf zu achten, dass seine Dornen ihr Kleid streiften.
Der Wind erhob sich und ließ die Zweige des Weißdorns rauschen. Es war, als würde der Busch flüstern. „Warum weinst du, Kind des Herzens?“ hörte das Mädchen eine Stimme, sanft und doch kräftig wie ein Pulsschlag.
„Weil ich mich schwach fühle,“ antwortete das Mädchen. „Mein Herz ist so müde. Niemand versteht mich, und ich habe keine Kraft mehr.“
Da regte sich der Weißdorn. Seine Zweige neigten sich zu ihr herab, und zwischen den Dornen leuchteten die roten Früchte im letzten Abendlicht wie kleine Laternen. „Fürchte meine Dornen nicht,“ sprach der Strauch. „Sie sind nur meine Wächter. Dahinter verbirgt sich mein Geschenk: die Kraft des Herzens.“
Das Mädchen zögerte, doch dann pflückte sie eine Frucht. Sie war herb im Geschmack, aber mit einer tiefen, stillen Süße. Als sie sie aß, spürte sie, wie eine Wärme in ihre Brust strömte. Ihr Atem wurde ruhiger, ihr Herz schlug gleichmäßiger, und eine leise Freude erfüllte sie.
Die Dornen, die sie zuvor gefürchtet hatte, schienen nun wie ein schützender Ring. Sie erkannte: Alles, was wertvoll ist, braucht manchmal einen Wächter.
Von diesem Tag an erzählte sie allen Menschen vom geheimnisvollen Strauch. Die Alten nannten ihn fortan die Hüterin des Herzens. Die Vögel bauten Nester in seinen Zweigen, geschützt vor Feinden. Die Menschen sammelten seine Früchte, kochten daraus Tränke und stärkten ihre Herzen. Und wenn jemand traurig oder schwach war, hieß es: „Geh zum Weißdorn. Er wird dich lehren, dass auch hinter den Dornen Liebe und Kraft wohnen.“
Und so steht der Weißdorn bis heute an Wegen und in Hecken, scheinbar still und unscheinbar – doch wer innehält, die Augen schließt und ihm lauscht, hört noch immer sein Flüstern:
„Dein Herz ist stärker, als du glaubst. Hab keine Angst vor den Dornen des Lebens – sie führen dich zu deinem inneren Schatz
Quelle Autorenbild: Unkrautgourmet
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